Ausschlafen am Wochenende schadet: Der soziale Jetlag

Die ganze Woche früh raus; da kommt das Ausschlafen am Wochenende wie gerufen. Doch Forscher warnen: Das geänderte Schlafverhalten am Wochenende und der daraus resultierende “Social Jetlag” haben Folgen.

Es ist ja irgendwie verständlich: Die ganze Woche früh aufstehen und zur Arbeit eilen; da muss Ausschlafen am Wochenende ruhig mal erlaubt sein und die Nacht zum Tag gemacht werden. Statt um elf geht’s halt erst um zwei ins Bett und statt um sieben klingelt der Wecker – wenn überhaupt – erst um zehn oder elf Uhr morgens.

Die Folgen kennen viele von uns nur zu gut. Sonntags abends können wir kaum einschlafen und Montags morgens fühlen wir uns wie gerädert. Wie bei einem Flug von Berlin nach New York ist unsere innere Uhr total aus dem Takt. Unser Körper leidet unter einem Jetlag.

Eulen, Lerchen & Chronotypen

Forscher der LMU München haben bereits 2006 in einer aufsehenerregenden Studie die Wirkung des sozialen Jetlags aufgezeigt (Wittmann et al., 2006). Die Angaben von über 500 Versuchspersonen zu ihren Schlafgewohnheiten, ihrem Wohlbefinden und dem Konsum von Genussmitteln zeigten, dass in vielen Fällen die innere Uhr der Probanden deutlich von der wirklichen Tageszeit abzuweichen schien.

Die Wissenschaft unterscheidet bei Menschen dabei in drei verschiedene Chronotypen:

  • Zum einen in Frühaufsteher (sog. Lerchen),
  • in Normaltypen
  • und in Spätaufsteher (sog. Eulen)

Während den o.g. Frühaufstehern die Arbeitszeiten der Industrienationen stark entgegen kommen, haben die Normaltypen – welche den Großteil der Gesellschaft ausmachen – und die Spätaufsteher mit ihnen oft schon stark zu kämpfen.

Grund ist eine – mal kleinere und mal größere Diskrepanz zwischen der eigenen inneren Uhr und dem jeweils gesellschaftlich aufgezwungen Tagesablauf. Vereinfach gesagt: Unser Chronotyp würde uns z.B. gegen acht Uhr aufwachen lassen, unser Wecker klingelt aber bereits um sechs.

Da liegt es natürlich nahe, am Wochenende etwas länger auszuruhen, den Schlaf “nachzuholen” oder einfach nur mal so zu schlafen, wie es unserem Naturell entspricht, auch wenn es das grundlegende Problem nicht ausmerzt.

Ausschlafen am Wochenende birgt Probleme

Das Thema “innere Uhr” im Zusammenhang mit unseren Arbeitszeiten bildet seit einigen Jahren ein Forschungsgebiet, welches immer wieder zu interessanten Beobachtungen führt. So ist bspw. seit Jahren bekannt, dass ein (zu) früher Schulbeginn einen negativen Einfluss auf die Lernenden hat (Wheaton, Chapman & Croft, 2016).

Schon heute gibt es Unternehmen, die sich durch Telearbeit und flexible Arbeitszeiten dieser Problematik annehmen und so eine Win-Win-Situation für beide Seiten schaffen: Denn ein ausgeschlafener Arbeitnehmer ist nicht nur besser gelaunt, sondern in seiner Arbeitszeit auch um ein Vielfaches produktiver.

Bis jedoch andere Unternehmen nachziehen und sich mehr auf unsere Biologie einstellen, bleibt es leider erst einmal an uns: Um die Risiken eines sozialen Jetlags zu minimieren, sollten wir – wann immer möglich – unsere Schlafzeiten am Wochenende an denen der Arbeitswoche orientieren und möglichst grob zu den gleichen Zeiten an der Matratze horchen.

Denn das Arbeiten gegen die innere Uhr führt nicht nur zu müden Gesichtern, sondern birgt auch gesundheitliche Risiken: So zeigen Studien, dass Menschen, die unter einem sozialen Jetlag leiden, vermehrt zu Nikotin oder anderen Stimulanzien greifen, einem erhöhten Risiko an Fettleibigkeit zu erkranken unterliegen und oftmals unter chronischen Schlafstörungen leiden.

Das Ausschlafen am Wochenende unnötig machen

Womöglich gehörst Du nicht zu den Menschen, die mit wenig Schlaf auskommen kann. Dennoch kannst Du einige Dinge tun, um dein Schlafverhalten zu optimieren.

Zunächst solltest Du Dich dabei ein wenig mit den menschlichen Schlafzyklen beschäftigen. Mit diesem Hintergrund-Wissen kannst Du sicherstellen, dass Du Dein Wecker dich nicht immer aus dem Tiefschlaf reißt. Im nächsten Schritt solltest Du prüfen, ob eventuell vorhandene Müdigkeit vielleicht von zu viel Schlaf resultiert.

Grundsätzlich hat die Schlafdauer bei uns oft viel mit Gewohnheit, so dass man sich auch etwas umgewöhnen kann. Falls gewünscht, gibt es genug Möglichkeiten, den eigenen Schlafbedarf zu reduzieren.

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Quellen

Wheaton, A. G., Chapman, D. P., & Croft, J. B. (2016). School start times, sleep, behavioral, health, and academic outcomes: a review of the literature. Journal of School Health, 86(5), 363-381.

Wittmann, M., Dinich, J., Merrow, M., & Roenneberg, T. (2006). Social jetlag: misalignment of biological and social time. Chronobiology international, 23(1-2), 497-509.